Sonntag, 5. Juli 2009

"Die Ameisenzählung" von Daniel Glattauer

Daniel Glattauer schreibt für die österreichische Tageszeitung Der Standard, unter anderem Kolumnen. Über die österreichischen Befindlichkeiten, die Alltagsabsurditäten, über die unfreiwillige Komik des Lebens.
Im vorliegenden Buch findet man 219 dieser Kommentare aus der Zeit zwischen 1995 und 2000. Es ist ein Buch, das einen schmunzeln lässt und bei so manchem (österreichischen) Leser wohl ein Aha-Erlebnis auslöst ("Ach, ja, das war damals aktuell."). Die meisten der Kolumnen jedoch sind von immer währender, und nicht nur österreichischer, Aktualität: Sei es, dass Glattauer den österreichischen Tourismus aufs Korn nimmt ("Solange es unter den Wirten Märtyrer gibt, die sich trotz Gästeallergie und Bettvergabe-Trauma nicht zu schade sind, den Betrieb aufrechtzuerhalten, muss man sich um den österreichischen Fremdenverkehr keine Sorgen machen.") oder die zunehmenden Germanismen, die sich ins österreichische Sprachbild drängen ("Bisher fanden wir mit 'bislang' gerade mal eben das Auslangen. 'Gerade mal' hat uns mal eben gerade noch gefehlt."), sei es die ewige Unzufriedenheit mit dem Wetter, das nicht eben neue Gerangel um das gerade aktuelle Männer- ("Weichmännerschwemme")-Bild oder die Fitnesswelle ("Die Leute schalten beim Laufen das Hirn aus und vergessen daher stehen zu bleiben.").


Auch wenn einiges für Nicht-Österreicher schwer -und manches gar nicht- zu verstehen ist: Diese Kolumnen-Sammlung macht einfach Spaß! Jede Seite eine Kolumne - das ist schönes Gedankenfutter nebenbei. Glattauer (der durch seinen E-Mail-Liebesroman "Gut gegen Nordwind" bekannt geworden ist) beobachtet genau, weiß, was im Alltag interessant ist und schreibt das ganze mit einer sprachlichen Finesse nieder, die begeistert. Eine klare Lese-Empfehlung!

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